Alle prügeln auf einen: Die Debatte um die Essener Tafel ist an Heuchelei kaum zu überbieten.

Nun hat sich auch die Kanzlerin zu der Weigerung der Essener Tafel geäußert, Migranten ohne deutsche Papiere zu verpflegen: „Nicht gut“ findet sie das. Natürlich. Und außerdem ginge es ihrer Meinung nach überhaupt nicht klar, Menschen bei der Essensausgabe „zu kategorisieren“. Nun, könnte man jetzt sagen, wer es nicht schafft, an den deutschen Außengrenzen zu kategorisieren, der müsse sich eben darauf einstellen, dass im Inneren kategorisiert wird. Und zwar genau von so Mitbürgern wie Tafel-Betreiber Jörg Sartor, die sich mit seinen Mitarbeitern seit Jahren ehrenamtlich für die Ärmsten in der Gesellschaft einsetzt und nun ausbaden muss, was bald drei Jahre offene Grenzen in den Gemeinden und Kommunen anrichten. Denn natürlich trägt Merkel auch hier indirekt die Verantwortung, sind es doch die Folgen ihrer verfehlten Flüchtlingspolitik, die zu der Situation in Essen beigetragen haben!

Nichts läge mir dabei ferner, als Herrn Sartor zu vereinnahmen, aber trotzdem mag ich es mir herausnehmen, auf den medial unerhörten Vorgang zu verweisen, die seine aus der Not geborene Entscheidung nach sich gezogen hat. Das Kanzlerinnen-Wort ist da nur der Höhepunkt einer ganzen Kampagne und erinnert nicht nur von ungefähr an Merkels unsachlicher und ungefragter Buchkritik zu Sarrazins wegweisendem „Deutschland schafft sich ab“. Mediale Stimmen, die Sartor in Schutz nehmen, muss man schon suchen. Sie existieren, aber fallen im allgemeinen Tenor der Betroffenheits-Journalisten kaum ins Gewicht.

Zuletzt war es ZDF-Moderatorin Dunja Hayali, die die Entscheidung der Essener Tafel auf ihrer Facebook-Seite kopfschüttelnd kommentierte. Aus ihrem Schreiben geht allerdings hervor, dass sie sich mit den Problemen vor Ort, wenn überhaupt, nur oberflächlich auseinandergesetzt hat. Und aus dem warmen Großstadt-Apartment und mit einem großzügigen TV-Salär lässt sich natürlich gut mit der eigenen „aufrechten“ Haltung werben. Frau Hayali findet es dabei sogar „nicht verwunderlich“, dass vor dem Hintergrund dieser „Deutsche-zuerst-Attitüde“ die Fahrzeuge der Essener Tafel mit „Fuck Nazis“ beschmiert wurden. Klar, denn wo die Medien ein neues Opfer für eine moralinsaure Empörungs-Kampagne gefunden haben, sind die Sturmtruppen der Toleranz, sprich die Antifa, nie weit.

Dabei waren die Probleme der Essener Tafel schon seit Dezember bekannt. Sartor bescheinigte dabei einigen Migrantengruppen, die kurz vor seiner Entscheidung etwa 75 Prozent der Tafel-Besucher ausmachten, eine „Nehmer-„ statt einer „Anstell-Kultur“. Es wäre vermehrt zu Drängeleien und Handgreiflichkeiten gekommen, was kaum einem der wohlfeilen Kommentatoren in den Medien auch nur eine müde Zeile wert war. Stattdessen plumper „Whataboutism“, denn natürlich seien „Urdeutsche“ genau so anfällig für schlechtes Betragen in der Tafel-Warteschlange. So klingt es zumindest wenig solidarisch aus den Wortmeldungen anderer Tafel-Betreiber.

Nicht leugnen lässt sich hingegen, dass die Probleme aus Essen kein Einzelphänomen sind. Auch Einrichtungen in anderen Städten berichten von demographischen Verschiebungen der Tafel-Nutzer und greifen in der Not auf recht kuriose Lösungsansätze zurück. So etwa in Hamburg, wo jetzt per Losverfahren entschieden wird, ob jemand überhaupt Zugriff auf Tafel-Lebensmittel bekommt. Das sei „fair“ und würde angeblich weder Deutsche noch Zuwanderer benachteiligen. Und auch in Kassel nahe meiner hessischen Heimat machte sich der Zustrom von Zuwanderern bemerkbar. Hier musste man eine Quote einführen, um Ungleichheiten vorzubeugen. Seitdem dürfen nur noch 20 Prozent Migranten ohne deutschen Pass die Tafel nutzen, danach ist Schluss.

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